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Tag 5

Tag 5

Mit einem Kaffeebecher über die Straße, natürlich nicht dort, wo ein Zebrastreifen ist, denn das kann ja jeder. No risk, no fun! So sieht es doch aus! Sollen sie doch für sie anhalten und hupen! Who cares?

Sie weicht einer Pfütze aus, die hohen Haken bringen sie ein wenig zum Straucheln, aber auch dabei liebt sie das Risiko. Außerdem hasst sie diese flachen Gesundheitslatschen. Zum Kotzen! Die tragen doch nur diese ältlichen Damen oder Pärchen im Partnerlook. Wer hat das eigentlich erfunden?

Über dem weißen Plastik-Einmal-Deckel schwappt ein wenig von ihrem Caramel Macchiato. Überteuert, lecker, viel zu viele Kalorien des Sirups wegen, die Sahne hilft auch nicht bei der positiven Kalorienbilanz. Geil ist’s trotzdem, so!

Sie setzt den Becher an die rot geschminkten Lippen, versucht, einen Schluck im Laufen zu trinken, was natürlich daneben geht. Ätzend. Der weiße Deckel ist jetzt mit einem Lippenabdruck verziert, was wirklich unappetitlich aussieht und sie daran zweifeln lässt, ob das wirklich eine gute Idee gewesen ist, sich vor dem Besuch im überteuerten Kaffeeladen die Lippen nachzuziehen. Was soll’s?

Heute ist ein beschissener Tag, da kommt es nicht darauf an. Darauf jedenfalls nicht. Sie schultert die Handtasche, zieht den Mantel enger und versucht, nicht zu frösteln. Beschissen, beschissen, beschissen.

Während sie weiter im Kopf fluchend Slalom um die anderen Fußgänger läuft, den Kaffeebecher in der beringten Hand balanciert, fallen die Regentropfen weiter auf ihren Kopf hinunter. Das war’s mit der Frisur. Scheiße nochmal.

Sie schaut auf die Uhr, ja, natürlich! Musste ja sein, war ja klar! Viel zu spät mal wieder, das musste ja so kommen.

Wenn nicht diese kleine Schlampe vor ihr im Kaffeeladen noch dreimal das Geld nachgezählt hätte, damit sie sich einen kleinen Kaffee leisten konnte. Jede einzelne kupferne Münze wurde in der schwitzigen Handfläche umgedreht mit unsicheren Fingern, während sie doch wirklich mit lautem Seufzen klargemacht hatte, wie enervierend sie diese Situation fand. Aber nein! Dieses kleine Miststück hatte sie vollkommen ignoriert und sich bei der Bestellung bestimmt extra versprochen und mit so zittriger Stimme leise ihren Wunsch geäußert, dass der Barister mehrmals nachfragen musste. Letztendlich hatte sie dann die Nerven verloren und die Order laut wiederholt, was ihr einen verschreckten Seitenblick von diesem verhuschten Ding eingebracht hatte. Unter den strähnigen Ponyhaaren wurde sie aus großen Augen angestarrt, die Wimpern stümperhaft zu Fliegenbeinchen zusammengeschmiert. Herrgott! Was war denn eigentlich mit den Kindern von heute los? Waren denn alle depressiv, emomäßig, gothicähnlich oder was auch immer? War denn wirklich niemand in der Lage, die eigenen Kinder richtig zu erziehen?

Sie verdreht die Augen. Immer diese Weicheier, diese sich selbst bemitleidenden Menschen, schlimm, einfach schlimm! Und das fängt ja jetzt bei der Jugend schon an. Wo soll das nur hinführen?

Sie nimmt den letzten Schluck aus dem Pappbecher und wirft ihn im Vorbeilaufen in einen Mülleimer. So viel Zeit muss sein. Dann beschleunigt sie ihre Schritte, drängelt sich an einem älteren Mann vorbei und rennt auf die Tür zu.

15.2.16 19:33
 
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